Tipps & Tricks

Boot winterfest machen: Holz und Lack richtig ins Winterlager bringen

Segelyacht im Herbst auf ruhigem Wasser, umgeben von buntem Herbstlaub – ideale Wintervorbereitung für Bootseigner.

Die Kranwagen sind unterwegs, die Stege leeren sich. Wer sein Boot jetzt aus dem Wasser holt, entscheidet in den nächsten Tagen, wie viel Arbeit im Frühjahr wartet. Dieser Ratgeber konzentriert sich auf Holz und Lack: was beim Auskranen zu tun ist, wann Lackieren im Winterlager funktioniert und wie der jährliche Refresh gelingt.

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Was beim Auskranen?
Salz mit Süßwasser abspülen, Holz trocknen lassen, jede Lackschadstelle fotografieren und einordnen.

Im Winterlager lackieren?
Ja, wenn die Halle trocken und belüftet ist und nicht unter 12 °C verarbeitet wird. Sonst ins Frühjahr legen.

Wie geht der Refresh?
Intakten Öllack anschleifen (180er Korn reicht), Staub entfernen, eine dünne Schicht auftragen. Täglich nur ein Anstrich.

Wie viel Material?
30–50 ml pro m² und Anstrich; als Richtwert nennt das Merkblatt 20 m² pro Liter.

Typischer Fehler?
In der kalten oder feuchten Halle lackieren. Der Lack trocknet dann nur verzögert.

Warum sich Holzpflege im Herbst lohnt

Über den Winter arbeitet das Holz, und kleine Lackschäden werden größer. Wo Klarlack gerissen oder abgeplatzt ist, liegt das Holz frei. Feuchtigkeit zieht ein, das Holz vergraut unter dem Lackrand, und im Frühjahr ist aus einem Kratzer eine Reparaturstelle geworden.

Der Herbst hat dafür zwei Vorteile: Die Schäden sind frisch aus der Saison und gut zu sehen, und bis zum nächsten Krantermin bleibt Zeit. Wer jetzt einordnet und plant, arbeitet den Winter über in Ruhe und muss im April nicht alles auf einmal erledigen. Was im Frühjahr ansteht, beschreibt unser Frühjahrscheck für Holz, Lack und Deck.

Checkliste beim Auskranen: Holz und Lack

1. Mit Süßwasser abspülen

Salz, Algenreste und Schmutz kommen mit klarem Wasser, einem weichen Schwamm und bei Bedarf einem milden Bootsshampoo herunter. Kein Hochdruckreiniger auf Holzteilen oder Lackflächen: Der Strahl kann an Kanten und feinen Rissen Wasser unter den Lack drücken und weiche Holzfasern aufrauen.

2. Trocknen lassen, bevor abgedeckt wird

Nasses Holz unter einer Plane trocknet schlecht. Lassen Sie Deck und Holzteile abtrocknen, bevor Persenning oder Winterplane darüber kommen.

3. Bestandsaufnahme mit Fotos

Gehen Sie einmal ums Boot und fotografieren Sie jede Stelle, an der der Lack nicht mehr in Ordnung ist: Süllrand, Handläufe, Luken, Niedergang, Steckschotten, Pinne und, falls aus Holz, Mast und Baum. Ordnen Sie jede Stelle einer von drei Gruppen zu:

  • Matt, aber geschlossen: Der Lack ist tragfähig. Hier reicht ein Refresh mit einer Schicht.
  • Rissig oder abgeplatzt: Lose Stellen müssen bis aufs Holz entfernt und neu aufgebaut werden.
  • Vergraut: Das Holz liegt schon länger frei. Vor dem Neuaufbau kommt der Holzentgrauer zum Einsatz.

Diese Liste ist Ihr Arbeitsplan für den Winter und die Grundlage für die Materialmenge.

4. Abnehmbare Holzteile mitnehmen

Pinne, Steckschotten, Tischplatte, Schapptüren oder Zierleisten lassen sich oft abschrauben. Zu Hause in einer beheizten, gut belüfteten Werkstatt, Garage oder im Keller haben sie den ganzen Winter Zeit für einen sauberen Schichtaufbau. Mehr dazu weiter unten.

5. Abdecken und lüften

Eine gut sitzende Plane hält Regen und Schnee ab. Sie sollte so gespannt sein, dass sich kein Wasser sammelt, und Luft durchlassen, damit sich darunter keine Feuchtigkeit staut. Kontrollieren Sie die Abdeckung nach Sturm und Schnee.

Refresh im Winterlager: anschleifen, eine Schicht, fertig

Öllacke haben einen großen Vorteil: Sie lassen sich nach kurzem Anschliff immer wieder überarbeiten. Die Fachauskunft von Le Tonkinois dazu lautet: Öl auf Öl geht immer. Ein tragfähiger Öllack-Anstrich wird kurz angeschliffen, um Schmutz und Trennschichten zu entfernen, danach kommt die neue Schicht darauf.

Daraus ergibt sich eine einfache Pflegeroutine, die die Fachauskunft von Le Tonkinois empfiehlt (das Merkblatt nennt für außen sechs bis zehn Anstriche): den Lack einmal richtig mit 6 bis 8 Schichten aufbauen und danach jedes Jahr im Winterlager anschleifen und eine Schicht auftragen. Ein Beispiel für den jährlichen Refresh ist das Römerschiff Lusoria Rhenana, ein 18 Meter langer Nachbau eines spätantiken römischen Flusskriegsschiffs. Nach Angaben des Herstellers wird es seit 15 Jahren mit Le Tonkinois behandelt, und der Anstrich wird jedes Jahr während des Winterlagers aufgefrischt.

Die Bedingungen: wann Lackieren im Winterlager funktioniert

Der Refresh gelingt nur, wenn die Umgebung stimmt. Die technischen Merkblätter von Marine No. 1 und Vernis sind hier eindeutig:

  • Nicht unter 12 °C verarbeiten. In einer unbeheizten Halle ist das im Winter meist nicht zu schaffen. Praxistipp, keine Merkblattvorgabe: Holz erwärmt sich langsamer als die Raumluft; ein einfaches Oberflächenthermometer zeigt, wie warm das Holz tatsächlich ist.
  • Holzfeuchte maximal 15 %, Untergrund sauber, trocken, staub- und fettfrei und frostfrei.
  • Für gute Belüftung sorgen. Niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und geringer Luftwechsel verzögern die Trocknung und fördern Geruchsbildung.
  • Täglich nur ein Anstrich. Zum Überarbeiten möglichst 24 Stunden warten; ist eine Schicht noch nicht ganz durchgetrocknet, einen Tag länger warten.

Ist Ihre Halle kalt oder feucht, lackieren Sie nicht. Dann nutzen Sie den Winter für Bestandsaufnahme, Material und die abnehmbaren Teile, und der Refresh am Boot folgt im Frühjahr.

So geht der Refresh Schritt für Schritt

  1. Tragfähigkeit prüfen. Nur geschlossener Öllack wird überarbeitet. Rissige oder abgeplatzte Stellen müssen vorher repariert werden (siehe unten).
  2. Anschleifen. Für Schleifarbeiten ist laut Merkblatt maximal 180er Korn ausreichend. In Faserrichtung schleifen, bis die Fläche gleichmäßig matt ist.
  3. Staub entfernen und bei Bedarf entfetten. Schleifstaub gründlich abnehmen. Zum Entfetten eignet sich die Le Tonkinois Verdünnung.
  4. Lack aufrühren, nicht schütteln. Schütteln bringt Luft in den Lack und führt zu Bläschen. Der Lack ist verarbeitungsfertig und wird zum Streichen nicht verdünnt.
  5. Dünn auftragen. Am besten mit einem Naturhaarpinsel: Kunstborsten können sich statisch aufladen und Staub in den Lackfilm tragen.
  6. Pinsel reinigen. Der Natur-Pinselreiniger entfernt frische und eingetrocknete Farbreste aus dem Pinsel; danach wird der Pinsel mit Wasser ausgewaschen.

Unbekannter oder fremder Altlack? Dann zuerst eine Probefläche anlegen und prüfen, ob sich die Lacke vertragen. Welcher Lack auf welchem Untergrund hält, erklärt unser Ratgeber Bootslack für Holz.

Schadstellen ausbessern

Wo der Lack gerissen oder abgeplatzt ist, reicht ein Refresh nicht. Lose Stellen bis aufs gesunde Holz entfernen und die Ränder weich auslaufen lassen. Vergraute Stellen behandeln Sie vorher mit dem Holzentgrauer; danach je nach Witterung ein bis zwei Tage trocknen lassen und anschleifen, denn das Holz ist rau. Blankes Holz wird mit Le Tonkinois Impression grundiert und danach Schicht für Schicht wieder aufgebaut, täglich eine Schicht. Ist das freigelegte Holz heller als die Umgebung, lässt sich der Farbton mit einer Le Tonkinois Yacht-Öl Beize angleichen (am besten zuerst an einer Probestelle); die Beize wird anschließend mit Marine No. 1 oder Vernis überlackiert.

Für den Refresh im Winterlager:

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Abnehmbare Teile: die Winterwerkstatt zu Hause

Für abnehmbare Holzteile ist der Winter die beste Zeit. Ein vollständiger Schichtaufbau braucht Geduld, denn es darf täglich nur eine Schicht aufgetragen werden. Laut Merkblatt von Marine No. 1 sind im Außenbereich sechs bis zehn dünne Anstriche vorgesehen, im Innenbereich kann die Anzahl halbiert werden. Wer das im Frühjahr zwischen Krantermin und erstem Törn erledigen will, gerät unter Zeitdruck. Im Winter spielt die Dauer keine Rolle.

So gehen Sie vor:

  • Raum: beheizt, trocken, gut belüftet und möglichst staubarm, zum Beispiel Werkstatt, Garage oder Keller.
  • Teile, die später draußen sind (Pinne, Steckschotten, Luken): voller Außenaufbau mit Marine No. 1 oder Vernis (Schichtzahl laut Merkblatt Marine No. 1: sechs bis zehn), bei rohem Holz vorher Le Tonkinois Impression.
  • Teile aus dem Innenraum (Tischplatte, Schapptüren, Leisten): weniger Schichten genügen.
  • Nach dem letzten Anstrich: Die Oberflächen anfangs nur vorsichtig belasten.

Wie viel Material brauche ich?

Laut Merkblatt brauchen Marine No. 1 und Vernis 30–50 ml pro Quadratmeter und Anstrich. Als Richtwert nennt das Merkblatt 20 m² pro Liter und Schicht; das entspricht dem oberen Verbrauchswert. Messen Sie die lackierten Holzflächen grob aus und rechnen Sie mit der Zahl der geplanten Schichten. Ein Beispiel: 5 m² Holzfläche brauchen für eine Refresh-Schicht etwa 0,15 bis 0,25 Liter.

Rechenbeispiele finden Sie im Abschnitt Verbrauchsrechner unserer Kaufberatung. Für den Refresh gehören neben dem Lack typischerweise dazu:

Auf den Produktseiten von Marine No. 1 und Vernis finden Sie Lack, Verdünnung und Pinselreiniger als fertige Zusammenstellung unter „Häufig zusammen gekauft“. Innerhalb Deutschlands liefern wir ab 100 € Bestellwert versandkostenfrei.

Die häufigsten Fehler im Winterlager

  • Zu kalt oder zu feucht lackiert: Unter 12 °C, bei hoher Luftfeuchtigkeit oder ohne Luftwechsel trocknet der Lack verzögert. Lieber einen Tag länger warten, als eine noch weiche Schicht zu überlackieren.
  • Mehrere Schichten an einem Tag: Das Merkblatt erlaubt täglich nur einen Anstrich. Eine nicht durchgetrocknete Schicht zu überlackieren führt zu Anstrichstörungen.
  • Zu dick aufgetragen: Öllack wird dünn gestrichen. Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke.
  • Dose geschüttelt: Das bringt Luftbläschen in den Lack. Aufrühren mit einem Rührstab genügt.
  • Kunstborstenpinsel: Sie können Staub in den Lackfilm ziehen. Ein Naturhaarpinsel vermeidet das.
  • Fremdlack ohne Probefläche überstrichen: Bei unbekannten Altanstrichen können sich Lösemittel nicht vertragen und Flecken entstehen.
  • Lack verdünnt: Le Tonkinois Lacke sind zum Streichen verarbeitungsfertig eingestellt.

Was sonst noch zum Winterfestmachen gehört

Holz und Lack sind nur ein Teil der Wintervorbereitung. Auf jede Checkliste gehören außerdem: Motor und Kühlsystem nach Herstellerangaben einwintern, Wassertanks entleeren und Leitungen frostsicher machen, Batterien trocken lagern und laden, Polster und Textilien von Bord nehmen und die Versicherungsbedingungen für das Winterlager prüfen. Das ist nicht Thema dieses Ratgebers, und die Anleitung Ihres Motor- und Bootsherstellers hat hier Vorrang.

Häufige Fragen

Kann man ein Boot im Winter lackieren?

Ja, aber nur unter den richtigen Bedingungen. Le Tonkinois Lacke werden nicht unter 12 °C verarbeitet, der Raum muss trocken und gut belüftet sein und das Holz darf maximal 15 % Feuchte haben. In einer beheizten Halle funktioniert das auch im Winter. In einer kalten oder feuchten Halle sollten Sie nicht lackieren und die Arbeit ins Frühjahr legen.

Wie viele Schichten brauche ich zum Auffrischen?

Wenn der Lack bereits richtig aufgebaut und noch geschlossen ist, empfiehlt die Fachauskunft von Le Tonkinois, ihn jedes Jahr im Winterlager anzuschleifen und eine Schicht aufzutragen. Ein kompletter Neuaufbau braucht dagegen laut Merkblatt von Marine No. 1 sechs bis zehn Schichten im Außenbereich.

Muss der alte Lack vor dem Auffrischen runter?

Nicht, wenn es ein tragfähiger Öllack ist. Dann reicht ein kurzer Anschliff; laut Merkblatt ist 180er Korn ausreichend. Rissige, abgeplatzte oder nicht mehr tragfähige Stellen müssen dagegen restlos entfernt werden. Bei unbekannten oder fremden Lacken zuerst eine Probefläche anlegen.

Brauche ich beim Auffrischen eine Grundierung?

Nur dort, wo blankes Holz freiliegt. Solche Stellen werden zuerst mit Le Tonkinois Impression grundiert und dann wieder aufgebaut. Auf intaktem Altlack kommt die neue Schicht direkt nach dem Anschliff.

Wie lange muss eine Schicht trocknen?

Bei 20 °C und mittlerer Luftfeuchtigkeit ist Marine No. 1 nach 5 bis 8 Stunden, Vernis nach 6 bis 8 Stunden oberflächentrocken. Zum Überarbeiten sollten Sie möglichst 24 Stunden warten, und es darf täglich nur ein Anstrich ausgeführt werden. Kälte, Feuchtigkeit und wenig Luftwechsel verlängern diese Zeiten.

Eignen sich Le Tonkinois Öllacke für das Unterwasserschiff?

Dafür gibt es keine Freigabe. Wir empfehlen Le Tonkinois Öllacke für Holzflächen oberhalb der Wasserlinie, also Aufbauten, Süllrand, Handläufe, Masten und Innenausbau. Für den Bereich unter der Wasserlinie sind eigene Produkte wie Antifouling vorgesehen.

Kann ich das Teakdeck im Winterlager lackieren?

Nein. Le Tonkinois Öllacke sind für Teakdecks nicht vorgesehen. Vergrautes Teak lässt sich mit dem Holzentgrauer auffrischen; danach muss das Holz je nach Witterung ein bis zwei Tage trocknen. Details stehen in unserem Frühjahrscheck.

Fazit: Im Winterlager wird die nächste Saison vorbereitet

Das Winterlager ist mehr als eine Pause. Wer beim Auskranen Salz abspült, die Schäden dokumentiert und die abnehmbaren Teile mitnimmt, hat den Winter über genug Zeit für saubere Arbeit. Ist die Halle warm, trocken und belüftet, gehört der Refresh mit einer Schicht dazu, und das Boot geht im Frühjahr mit frischem Lack ins Wasser.

Für klar lackierte Holzteile am Boot ist Marine No. 1 die klassische Wahl, für den Innenausbau und viele weitere Holzflächen innen wie außen das Vernis.

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